Meine Lesezeichen

Meine Events

  • Start
    Location
    End
    Language
News & Updates

Scannen im Mikrometer-Bereich

Vor etwa 20 Jahren, Anfang der 1990er, hatte der ungarische Gastroenterologe Belá Molnár einen Traum: Er wünschte sich, die mikroskopierten Gewebeproben seiner Patienten dreidimensional betrachten und möglichst auch noch stufenlos vergrößern und verkleinern zu können. Da er mit den Methoden der klassischen Mikroskopie immer nur einen winzigen Ausschnitt, beispielsweise einer Biopsie, analysieren konnte, begann er, sich grundsätzlich für Verbesserungen in diesem Bereich zu interessieren.

Die Initialzündung zu den Entwicklungen, an denen er später maßgeblich beteiligt sein sollte, passierte 1996 auf einem Kongress zum Thema "Das automatisierte Zytologie- und Histologielabor", erinnert sich Molnár: "Weil es damals auch mit den neuesten Mitteln einfach keine Lösung für dreidimensionale quantitative histologische Untersuchungen gab, fragte ich mich, ob es in Zukunft nicht eventuell sinnvoller sein könnte, dabei auf Mikroskop und gläserne Objektträger zu verzichten."

Digitale Kopien

Der erste Schritt auf dem Weg dahin bestand für Molnár darin, die Untersuchungsobjekte in Bilder zu verwandeln. Dazu entwickelte er Scan-Programme für Roboter-Mikroskope sowie eine "Virtuelles Mikroskop" genannte Software für die Darstellung. Damit wurde es erstmals möglich, von jedem Ort der Welt aus auf die gleichen Bilder der Proben beziehungsweise Kopien davon zuzugreifen, was völlig neue Diagnosemöglichkeiten und Wege der Zusammenarbeit eröffnete. Jedoch: Kaum waren die Entwicklungen an der Software abgeschlossen, wurde klar, dass einfache Roboter-Mikroskope den Anforderungen nicht mehr genügten. Hochgeschwindigkeits-Scanner, die im Mikrometer-Bereich arbeiten und über einen möglichst schnellen Autofokus verfügen sollten, wären weit besser geeignet.

Unter dem Dach einer neu gegründeten Firma, der 3DHistech, einem Spin-Off der Semmelweis Universität Budapest, begannen Molnár und sein Team mit der Entwicklung solcher Geräte, die, wegen der winzigen Dimensionen und hohen Auflösung, ganz besondere Anforderungen erfüllen mussten. So wurden unter anderem für die automatische Zuführung der Proben zum Scanner ebenso wie für das automatische Scharfstellen der Bilder völlig neue Lösungen erarbeitet und zum Patent angemeldet. Für die letztere Erfindung wurden Molnár und sein Team nun für den European Inventor Award 2011 nominiert, der am 19. Mai in Budapest verliehen wird.

Wirtschaftlicher Erfolg

Bereits im Herbst 2004, nachdem sie ihre zentrale Entwicklung zum Patent angemeldet hatten, war das Team voll gespannter Erwartung, erzählt Molnár: "Wir hatten das Gefühl, etwas wichtiges geschafft zu haben. Etwas, das einen Paradigmenwechsel in der Diagnostik auslösen konnte. Weg vom gewohnten Mikroskop hin zu einer digitalen Lösung, bei der man bequem und bei normalen Lichtverhältnissen vor einem Computermonitor sitzen könnte, um Analysen zu machen." Mit dem damaligen Optimismus sollte das Team Recht behalten: Inzwischen beschäftigt ihre Firma 80 feste und 20 freie Mitarbeiter. Weltweit sind schon über 400 ihrer Scan-Systeme im Einsatz, ihr Umsatz lag 2010 bei rund 4,5 Millionen Euro und erreichte bereits im ersten Quartal 2011 über 2 Millionen Euro. Darauf ist Molnár stolz: "Wir gehören zu den Wenigen, die es von einer Idee zu einem Produkt gebracht haben. Und wir hatten den Mut, unsere Ideen zu verwirklichen, auch wenn wir als Zentraleuropäer im Vergleich zu den USA und Japan über weniger finanzielle Unterstützung verfügen."

Die Chancen auf einen lukrativen Markt in der Zukunft werden von Fachleuten als gut eingeschätzt: Bis zu 80 % aller ärztlichen Diagnosen beruhen heutzutage auf Labor-Untersuchungen, gleichzeitig gibt es in vielen Ländern den Zwang zu Einsparungen im Gesundheitswesen. Schnellere und zuverlässigere Analysen sowie die weitere Automation von Abläufen in den Labors könnten dazu beitragen, die Kosten in dem Bereich zu senken.