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Europäischer Erfinderpreis

Ivars Kalvins (Lettland)

Finalist des Europäischen Erfinderpreises 2015

Ivars Kalvins

Video:

Kategorie: Lebenswerk

Sektor: Medizin/Biochemie

Unternehmen: TopoTarget, Merz, Biolipox

Patentnummern: EP1328510, EP1009732, EP1778632

Erfindung: Herzmedikament Meldonium und andere

Der im 15. Jahrhundert geborene Alchemist Paracelsus hat einmal gesagt: "Die Heilkunst kommt aus der Natur, nicht vom Mediziner. Daher muss der Mediziner der Betrachtung der Natur gegenüber aufgeschlossen sein." In diesem Sinne hat der lettische Wissenschaftler und Erfinder Ivars Kalvins seine Forschungslaufbahn dem Ziel gewidmet, mit Wirkstoffen aus der Natur medizinische Fortschritte zu erreichen.

Chemical substanceAls Leiter der Abteilung für medizinische Chemie am Lettischen Institut für Organische Synthese in Riga war Kalvins für die Entwicklung einer neuen Generation biochemischer Wirkstoffe verantwortlich.

In seiner 45-jährigen Laufbahn am Institut hat Kalvins federführend kommerziell erhältliche Arzneimittel entwickelt, darunter das Krebsmedikament Belinostat, das Neuroprotektivum Neramexan, den Entzündungshemmer OX-MPI und das Herzmedikament Mildronat. Patentierte Erfindungen aus Kalvins Labor wurden von internationalen Pharmaunternehmen wie Prolifix Ltd, Biolipox, Merz Pharma GmbH und Grindeks lizenziert und den Patienten zugänglich gemacht.

Gesellschaftlicher Nutzen

Kalvins Ansatz basiert auf der gezielten Verwendung natürlicher Wirkstoffe - im Gegensatz zu künstlich hergestellten. Er brachte Arzneimittel mit natürlichen Wirkstoffen auf den Markt, die zur Behandlung und Prävention von Schlaganfällen, Tinnitus, Herzinfarkten, Alzheimer sowie chronischen Schmerzen und Entzündungen eingesetzt werden.

Kalvins Erfindungen haben sich besonders bei der Prävention und Behandlung von ischämischen Herzerkrankungen und Schlaganfällen bewährt. Laut WHO sind dies die häufigsten Todesursachen überhaupt, denen 2012 weltweit 7,4 Millionen bzw. 6,7 Millionen Menschen erlagen.

Wirtschaftlicher Nutzen

Kalvins verzeichnete seinen größten Erfolg bislang mit Meldonium (Arzneimittelname: Mildronat), einem hochwirksamen Medikament gegen Herzerkrankungen. Mildronat wird vom lettischen Pharmaunternehmen Grindeks hergestellt und vertrieben und gehört zu den erfolgreichsten medizinischen Exportprodukten Lettlands: Mildronat erzeugte 2013 einen Exportumsatz von rund 60 bis 70 Mio. EUR und macht 0,6 bis 0,7 % der lettischen Gesamtexporte aus.

Das börsennotierte Unternehmen Grindeks wurde 1991 gegründet und beschäftigt derzeit rund 1 000 Mitarbeiter. 2013 verzeichnete es einen Umsatz von 118,5 Mio. EUR, wobei der Löwenanteil auf den Verkauf von Mildronat entfiel. Zu den weiteren erfolgreichen Entwicklungen zählt das Krebsmedikament Belinostat, das 2014 von der FDA zugelassen und vom US-Pharmakonzern Spectrum lizenziert wurde. Des Weiteren entwickelte Kalvins das von Merz Pharmaceuticals lizenzierte Neuroprotektivum Neramexan, das derzeit Phase III der klinischen Studien zur Behandlung von Alzheimer durchläuft, und den Entzündungshemmer OX-MPI, der jetzt von Orexo und Boehringer Ingelheim in die klinische Praxis gebracht wurde.


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Funktionsweise

All die bahnbrechenden Erfindungen von Kalvins basieren auf demselben Prinzip: dem Potenzial von Wirkstoffen, im menschlichen Körper eine gewünschte Reaktion auszulösen. Die richtigen Wirkstoffe in der richtigen Dosierung können wie ein "Ausschalter" einen schädlichen Kreislauf durchbrechen und das natürliche Gleichgewicht im menschlichen Körper wiederherstellen.

Ein solcher Wirkstoff ist das von Kalvins identifizierte Meldonium. Es unterdrückt die Oxidation von Fettsäuren im Energiestoffwechsel des Körpers, die toxische Ablagerungen im Herzgewebe verursacht und letztlich zum Herzinfarkt führt. Durch Eliminierung der toxischen Nebenprodukte und eine bessere Sauerstoffversorgung der Zellen bringt Meldonium den Energiestoffwechsel des Körpers wieder ins Gleichgewicht.

Der Erfinder

1969 machte Ivars Kalvins seinen Abschluss an der chemischen Fakultät der Lettischen Universität in Riga. Fasziniert vom Potenzial natürlich vorkommender Wirkstoffe, schloss er sich dem von S. A. Giller gegründeten Institut für Organische Synthese an. Giller, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, wurde sein Mentor, und 2003 trat Kalvins dessen Nachfolge als Direktor des Instituts an. Kalvins, 67, hat 650 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und war an mehr als 215 Patenten im Bereich der Biomedizin beteiligt. Nicht zuletzt aufgrund seiner unermüdlichen Arbeit an der "Immunchemie" etablierte sich seine Abteilung für medizinische Chemie als international vernetzter Think-Tank für die pharmazeutische Forschung.

Wussten Sie das?

Paracelsus sagte außerdem: "Alle Dinge sind Gift … Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist." So sorgt etwa der Neurotransmitter Glutamat in moderater Dosierung für eine Förderung des Lern- und Gedächtnisvermögens. In hoher Konzentration aber wird Glutamat toxisch und löst Zelltod und Krankheiten wie Alzheimer aus. Genau hier setzt Ivars Kalvins' Neuroprotektivum Neramexan an: Natürliche Wirkstoffe verhindern erhöhte Glutamatansammlungen an den NMDA-Rezeptoren des Gehirns und stellen so ein gesundes Gleichgewicht wieder her.