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Europäischer Erfinderpreis

John Elvesjö und Mårten Skogö (Schweden)

Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2015

John Elvesjö and Mårten Skogö

Video:

Kategorie: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Sektor: Mensch-Maschine-Interaktion

Unternehmen: Tobii AB

Patentnummern: EP1562469, EP2237237

Erfindung: Gerät zur Aufzeichnung der Augenbewegung

Die Augen sind das Fenster zur Seele, sagt man. Darüber hinaus haben sie aber die Wissenschaft zu Geräten inspiriert, mit denen sich Augenbewegungen verfolgen und interpretieren lassen. Einem Team unter Leitung des schwedischen Ingenieurs und Physikers John Elvesjö ist nun ein wichtiger Vorstoß gelungen, der die Geheimnisse der visuellen Beobachtung besser verständlich macht. Elvesjö erkannte, dass ein zum Faser-Tracking entwickelter Sensor auch beim menschlichen Auge eingesetzt werden kann, und ebnete damit den Weg für zahlreiche Anwendungsgebiete.

Eye tracking devide Während seiner Studien Anfang der 2000er-Jahre hatte sich Elvesjö mit der Verfolgung von Augenbewegungen gar nicht befasst – bis ihm auffiel, dass einer der Partikelsensoren, mit denen er arbeitete, seinen Augenbewegungen folgte. Elvesjö erkannte sofort das kommerzielle und humanitäre Potenzial eines Augensensors und machte sich an die Entwicklung der entsprechenden Technologie.

Seitdem hat die Eye-Tracking-Technologie, die Elvesjö und sein Team bei Tobii – seinem Innovationsvermarktungsunternehmen – entwickelt haben, nicht nur die Marktforschung revolutioniert, sondern auch das Leben von Menschen mit verschiedenen gesundheitlichen Einschränkungen erleichtert und Eye-Tracking-Systeme im Alltag verankert, etwa beim Autofahren, am Computerarbeitsplatz oder auch im Gameplay-Bereich.

Gesellschaftlicher Nutzen

Elvesjös Technologie kommt in Geräten für unterstützte Kommunikation zum Einsatz, wie sie beispielsweise der Astrophysiker Stephen Hawking nutzt und bei denen der Sensor auf Bewegungen der Netzhaut reagiert. Menschen mit Zerebralparese oder anderen schweren Lähmungen können so über Sprachausgabeprogramme mit der Außenwelt kommunizieren.

Die Erfindung kommt Menschen mit diversen Erkrankungen oder Rückenmarksverletzungen sowie Schlaganfallpatienten zugute. Dank der Eye-Tracking-Technologie können sie engen Kontakt zu Angehörigen und Freunden halten, ihre Unabhängigkeit bewahren, persönliche und berufliche Ziele verfolgen und ein erfüllteres Leben führen.

Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen von Menschen könnten von dieser Technologie profitieren. Vorsichtigen Schätzungen zufolge leiden rund 2,5 Millionen Menschen weltweit an traumatischen Rückenmarksverletzungen, die sie in ihrer Mobilität einschränken. Weitere 130 000 Personen kommen jedes Jahr hinzu. Noch nicht berücksichtigt sind dabei Menschen, die ihre Mobilität krankheitsbedingt verlieren, etwa aufgrund von multipler Sklerose oder amyotropher Lateralsklerose (ALS).

Wirtschaftlicher Nutzen

Um seine Erfindung optimal zu verwerten, gründete Elvesjö 2001 nach einem Gespräch mit Henrik Eskilsson und Mårten Skogö im Untergeschoss des Hauses seiner Mutter das Unternehmen Tobii. Alle drei Gründer sind noch immer als technischer Leiter, Geschäftsführer bzw. wissenschaftlicher Leiter dort tätig.

Das Unternehmen mit Sitz in Stockholm hat heute 570 Mitarbeiter und ist weltweit mit Niederlassungen in Deutschland, Norwegen, China, Japan und den USA vertreten.

Die jüngsten Venture-Capital-Investitionen und die Übernahme komplementärer Unternehmen lassen auf künftiges Wachstum hoffen und versetzen Tobii in die aussichtsreiche Lage, sich auf dem vielschichtigen und rasant wachsenden Markt berührungsfreier Geräte für die Mensch-Maschine-Interaktion zu behaupten. Im Jahr 2020 soll das Marktvolumen 34,4 Mrd. EUR erreichen, mehr als das Dreifache seines heutigen Werts.

  • John Elvesjö

    John Elvesjö und Mårten Skogö

  • John Elvesjö

    John Elvesjö und Mårten Skogö

  • John Elvesjö

    Mårten Skogö und John Elvesjö

  • John Elvesjö

    John Elvesjö

  • Computer screen
  • Eye tracking device

Funktionsweise:

Bei der Technologie zur Verfolgung von Netzhautbewegungen kommen verschiedene Mikroprojektoren im Nahinfrarotbereich zum Einsatz, also optische Scanner, die auf einem Bildschirm platziert sind. Die Sensoren registrieren und verfolgen, wie das Infrarotlicht von den Augen des Benutzers reflektiert wird, um Blickrichtung und Augenbewegungen zu interpretieren.

Eigens entwickelte Software interpretiert dann anhand spezieller Algorithmen die Augenbewegungen in Echtzeit. In einem der zahlreichen Anwendungsbereiche dieser Technologie kann über die Blickerfassung ein Computersystem gesteuert werden, etwa eine Kommunikationssoftware oder ein Sprachgenerator.

Der Erfinder:

Das humanitäre und kommerzielle Potenzial der Erfindung hat Tobii bereits rund 45 Preise, zig Millionen Euro an Venture-Capital und, laut der schwedischen Wirtschaftszeitung "Dagens Industri", einen geschätzten Börsenwert von 248 Mio. EUR eingebracht.

Elvesjö, der sein Ingenieurstudium an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm abbrach, um weiter an seinem Eye-Tracking-System zu arbeiten, besitzt mittlerweile 15 Patente, von denen 13 mit den Hardware- und Software-Erfindungen von Tobii zu tun haben. Darüber hinaus wurde er mit etlichen Innovations- und Unternehmenspreisen ausgezeichnet.

Wussten Sie das?

Die Eye-Tracking-Technologie lässt sich weit über Computerspiele und Kommunikationsgeräte hinaus anwenden. Spezialbrillen mit dieser Technik erlauben eine Echtzeitanalyse des Konsumentenverhaltens beim Einkauf im Internet oder im Ladengeschäft. Dadurch lässt sich präzise nachvollziehen, wie sich der Blick des Konsumenten zwischen verschiedenen Produktpräsentationen hin- und herbewegt, und Marktforscher können feststellen, welche Warenmerkmale ideal geeignet sind, um die Aufmerksamkeit der Käufer aus unterschiedlichen demografischen Zielgruppen auf das Produkt zu lenken.